Musizieren beflügelt

.

Personenzentrierter Unterricht


Ein "Muss" für den modernen (Klavier-)Unterricht,
denn der Instrumentalunterricht der Zukunft
ist personenzentriert.



Es ist nicht zu übersehen:
Wir steuern seit etwa 25 Jahren in allen Bereichen der Pädagogik und hochqualifizierten Dienstleistungen und damit auch in der Klavierpädagogik immer schneller auf einen Paradigmenwechsel zu.

Das personenzentrierte oder auch klientenzentrierte, individuelle Agieren kommt in den Pflege-Einrichtungen, in den Arztpraxen, in den Beratungsstellen, in den Therapiepraxen aber auch zunehmend in den Allgemeinbildenden Schulen und Bildungseinrichtungen aller Art wie auch in der Individualpädagogik und besonders im Instrumentalunterricht seit vielen Jahren immer mehr in den Fokus.

Erste internationale Bestseller wie damals „Familienkonferenz“ und „Lehrer-Schüler-Konferenz“ von Thomas Gordon haben bereits vor drei Jahrzehnten ihre Aussagen auf den Leitlinien und Grundsätze von Carl Rogers (Personenzentriertes Handeln) aufgebaut und weltweit verbreitet.
Die Höchstauflagen zur Freude der Verleger bestätigen die Relevanz ihrer Aussagen.

Personenzentriertes oder klientenorientiertes, individuelles  Unterrichten oder Agieren bedeutet, dass für einen personenzentrierten Klavierunterricht bzw. für ein klientenorientiertes Handeln verschiedene Paradigmen wie die modulare Unterrichtsgestaltung und die modulare Auswahl der Unterrichtsgegenstände erfüllt sind oder zielstrebig im Fokus stehen.

Zu einem unterrichtlichen Kommunikations- und Aktionsfeld gehören konkret:
- die individuellen Dispositionen der Schülerinnen und Schüler
.  und ihren individuellen sozialen und interaktiven Lebensumfeldern

- das ausgewählte Musikinstrument und seine musikalisch-musikantischen
.  Qualitäten und Möglichkeiten

- und die individuelle Disposition, die Fachkompotenz

.  sowie die Personalität einschließlich der sozialen, emotionalen und spirituellen
.  Kompetenzen der beteiligten Lehrkraft.

Personenzentriertes Handeln meint auch, dass ein Klavierunterricht dann nicht beginnen sollte, wenn diese Voraussetzungen zu Beginn (noch) nicht gegeben sind:
Ein Klavierunterricht sollte auf keinen Fall gegen den direkten oder auch indirekten Willen eines Kindes beginnen. Die Alltagspraxis zeigt, dass es solche Eltern-Entscheidungen
- gerade in bildungsbewussten Gesellschaftsbereichen - immer noch gibt und für den Unterrichtenden nicht immer gleich erkennbar sind.

Andererseits: Der Bildungswunsch der Eltern ist verständlich und wichtig, und Kinder können nicht immer die Bedeutung eines solches Weges selbst erkennen und für sich bewerten.
Wenn Eltern wie Unterrichtende dann offen über alle Gegebenheiten vor der Unterrichtsaufnahme reden, dann ist immer auch ein gemeinsamer Weg über die Gestaltung der Hinführung zum Klavier zu  finden.
Viele Musikschulen und Freiberufler bieten eine Vorstufe in Form einer Erprobungstufe bzw. Orientierungsstufe an. Bereits im Jahre 1998 hatte ich als damaliger Geschäftsführer des HSK Dresden eine solche Orientierungsstufe eingeführt und sachsenweit für eine Einführung geworben. 


Diese 10 Grundsätze des personenzentrierten Unterrichtes,
den der amerikanische Psychologe Carl Rogers schon
vor einigen Jahrzehnten entwickelte, sind etwa:

1. (Fast) alle Menschen haben ein natürliches Lernpotential.

2. Ein Lernen von wahrnehmbarerer Bedeutung findet immer dann statt, wenn die Schülerin oder der Schüler glaubt und überzeugt ist, dass der Lernstoff wichtig für sie oder ihn und für die individuellen Interessen ist.

Es ist folglich unerheblich, ob der Lernstoff für den Lehrenden wichtig ist.
Vielmehr müssen die Lerninhalte für den Lernenden wichtig sein, oder seine Wichtigkeit muss vom Lernenden erkennbar sein, zeitnahe erkannt und für sich angenommen werden können.

D.h., auf die Auswahl und Beschaffenheit der Unterrichtsgegenstände, des Lernstoffes sowie auf die Beziehung des Lernstoffes zum Lernenden – nicht auf die zum Lehrenden - kommt es entscheidend an.

Und: Auf das Lernmaterial, aber auch auf die Instrumentenauswahl und auf die Beschaffenheit des Musikinstrumentes sowie auf die Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden kommt es wesentlich an.

Die melodische, metrische und rhythmische Beschaffenheit der musikalischen Lerngegenstände spielt in den Bewertungs- und Akzeptanzprozessen der/des Lernenden eine ganz entscheidende, zielführende oder nichtzielführende Rolle, da sie/er dieses Ergebnis seiner eigenen Disposition abwägend gegenüber stellt.


3. Lernen, das eine Veränderung der eigenen Anordnung der Selbstwahrnehmung (aufgrund der individuell gemachten und individuell bewerteten Lebenserfahrungen) beinhaltet,
ist für den Lernenden zunächst "bedrohlich" und ruft meistens Widerstand (gegen eine Veränderung), Abwehr hervor.

Aber Lernen ist immer auch eine Veränderung der eigenen bisherigen  (An-)Ordnung der Selbstwahrnehmung des Lernenden. Und diesen Widerstand erfährt der Unterrichtende im Unwillen des Übens bzw. im konkreten Nichtüben. Die Möglichkeiten einer Problemlösung verdeutlichen sich unter 2.
Eine weitere häufige Ursache kann aber auch im (Noch-)Nicht-Üben-Können liegen.
Die Lernschritte müssen anfangs möglicherweise sehr klein sein, um den Prozess des Lernen-Üben-Könnens Schritt für Schritt zielsicher zu durchschreiten.


4. Die Lernprozesse, die für das Selbst bedrohlich sind, werden leichter wahrgenommen und aufgenommen, wenn die äußere Bedrohungen minimal sind.

Hier kommt es zum Einen auf die Personalität und Persönlichkeit des Lehrenden sowie auf seine sozialen, emotionalen, intellektuellen und spirituellen Kompetenzen und Empathie-Disposition an, welche der Unterrichtete wie der Unterrichtende im Wesentlichen über die Kommunikation der Körpersprache des jeweils anderen für sich wahrnimmt:

So ist der Misserfolg des Unterrichtes stets dann vorprogrammiert, wenn sich in der Kommunikation zwischen Unterrichtenden und Unterrichteten die Inhaltsbotschaften und die emotionalen Botschaften bzw. den Beziehungsbotschaften sich widersprechen oder wenn zwischen dem Unterrichteten und dem Unterrichtenden kein Vertrauen besteht.

Zum Anderen kommt hier es auch auf den individuell angewandten methodischen Weg, also auf das Lernwerk als Ganzes und das Unterrichtskonzept als Ganzes sowie auf die individuelle, situativen Auswahl der Unterrichtsgegenstände im Einzelnen an.
Beides, die Persönlichkeit des Unterrichtenden und die Beschaffenheit des Unterrichtsmaterials sind ausschlaggebend für den Grad der (empfundenen) "Bedrohlichkeit" (s.o.) und damit für Lernbereitschaft des Lernenden.  –

Doch gerade die vielschichtigen Beschaffenheiten der meisten in Deutschland kreierten und konzipierten, heute im Umlauf befindlichen Lernwerke sind hier wesentlicher Maluspunkte, die sich ganz nüchtern und objektiv auch in den Verkaufszahlen der Unterrichtswerke abbildet, wenn man die Umsätze der Stufen I und II eines Unterrichtswerkes vergleicht oder wenn man auch die bundesweit veröffentlichten Abmeldungszahlen der Öffentlichen Musikschulen beobachtet und mit den Verweildauern in Bezug setzt.


5. Wenn die Bedrohung des Selbst gering ist, kann Erfahrung detailliert stattfinden und der Lernvorgang kann weitergehen.

Siehe Kommentar zu 2., 3. und 4.
Und anders gesagt: Die fachliche und menschliche Personaliät des Unterrichtenden im Kontext mit seiner individuellen Allgemeinbildung und seiner ganz persönlichen Lebenserfahrung bzw. seiner Lebenstüchtigkeit sowie die methodische und didaktische ebenso wie die affektive Beschaffenheit der Unterrichtsgegenstände entscheiden unabdingbar über den Erfolg oder Misserfolg des Unterrichtenden wie der Musikwirtschaft (wie bzw. der Verlage oder Instrumentenbauer).

6. Viel Lernen von Bedeutung findet durch Handeln statt.

Im Instrumentalunterricht wird man das Wort „Handeln“ durch das Wort „Musizieren“ ersetzen wollen:
In jedem Unterricht muss Musik, muss Musizieren stattfinden. Die Unterrichtsgegenstände müssen von aller emotionalen Sterilität und allem klinisch Reinen befreit sein und zum Eigentlichen, zum Musizieren einladen.

7. Lernen ist leichter, wenn die Schülerin und der Schüler (Selbst-)Verantwortung für den Lernprozess übernimmt.

Eine immer noch praktizierte "oberlehrerbezogene Zeigefingerpädagogik", die sich an den  Handlungsanweisungen durch die Lehrkraft reichhaltig abbildet, hat längst ausgedient.

Der Unterrichtende der Zukunft wird von der Lehrkraft, vom Katheder-Pädagogen und von der Kathederblüte hin zum aufmerksamen Coach, Berater, zum klugen Begleiter, Moderator, Mediator und Dienstleistenden an der Seite des Lernenden mutieren. –

Denn einen personenzentrierten Unterricht gestaltet der Lernende wesentlich mit, steht doch er, der Lernende, und nicht mehr der eitle Lehrende im Fokus des Geschehens.
Der Lernende entscheidet wesentlich mit über die Auswahl der musikalischen Unterrichtsgegenstände, über das Progressionstempo des Geschehens sowie über das Reproduzieren (=> z. B. Literaturspiel) und Produzieren (=> z. B. eines Musik-Erfinden durch Komposition oder Improvisation) mit.

8. Selbsttätiges Lernen, welches die ganze Persönlichkeit des Lernenden – sowohl Gefühle als auch Intellekt – einbezieht, ist am längsten anhaltend und am allumfassendsten.

Keine Frage. Einiges ist schon gesagt worden. Zur Ergänzung an dieser Stelle:
Nicht mehr das nachahmende Lernen sondern vor allem das (selbst-)entdeckende Lernen ist gefragt. Selbstständiges Lernen, selbsttätiges Lernen, (selbst-)entdeckendes Lernen ist der preiswerteste Unterricht.

9. Unabhängigkeit, Kreativität und Selbstvertrauen sind einfacher, wenn Selbstkritik und Selbsteinschätzung von größerer Wichtigkeit sind als die Bewertung durch andere.

Jeder Lernende ab einem Alter von etwa 6 Jahren ist in der Regel (aber keine Regel ohne Ausnahme) so klug, dass er sich selbst - altersgemäß - am besten kennt.
So bedarf der Lernende nicht der Bewertung durch Dritte, vielmehr bedarf der Lernende der leisen, klugen, empathischen Moderation und Mediation eines bescheidenden, von allen Eitelkeiten befreiten und mit hohen sozialen, emotionalen und spirituellen Kompetenzen ausgestatteten Coach und Beraters auf diesem Weg.

10. Das gesellschaftlich nützlichste Lernen in der heutigen Welt ist
das Lernen zu lernen, ständig offen zu sein für (neue) Erfahrungen
und den Veränderungsprozess in die eigene Persönlichkeit aufzunehmen.

Beiden, den Unterrichtenden wie den ausgedruckten Lernmaterialien, letztlich der ganzen Musikwirtschaft kommt auch hier die ganz entscheidende Rolle und Aufgabe zu in den Veränderungsprozessen und auf dem Weg das Lernen zu lernen.

Nicht die Reputation einer (Aus-)Bildungseinrichtung oder einer Lehrkraft, nicht die fachliche Bewertung einer Unterrichtsmethodik oder Unterrichtsdidaktik stehen zukünftig im Mittelpunkt des unterrichtlichen Handelns sondern allein die Schülerin bzw. des Schülers mit ihren/seinen individuellen Prägungen und Bedürfnissen ist für den Unterrichtserfolg "maßgebend": It works - or it does not work".

Deshalb stellen diese Grundsätze des personenzentrierten Unterrichtes vor allem an die Lehrkräfte sehr hohe persönliche und fachliche Ansprüche, während die Ansprüche an die beteiligten Schülerinnen und Schüler weitaus geringer sind.

Doch der Gedanke, dass der Unterricht und das Unterrichten eine personenzentrierte Dienstleistung ist, löst bei vielen Lehrkräften immer wieder Angst und Unsicherheit aus:
Sie erkennen nicht den Mehrwert und die "Heraus-Forderung", aber auch die (Existenz sichernden) Vorteile, die sich aus dem personenzentrierten Unterricht für Unterrichtende ergeben.

Dennoch: Dieser Paradigmenwechsel dringt unaufhaltsam ebenso in die Klassenräume der Allgemeinbildenden Schulen ein wie in die Unterrichtsräume der öffentlichen oder privaten Musikschulen.

Der Entwicklung (m)eines neuen Konzeptes sind umfangreiche Schüler- und Marktbeobachtungen, jahrelange persönliche Unterrichtserfahrungen sowie umfangreiche empirische Erhebungen unter mehr als 500 Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Altersgruppen vorausgegangen, die sich über 25 Jahre hingezogen haben.


Methodisch-didaktisch orientiert sich mein Unterricht und meine Autorentätigkeit an den erfolgreichen angelsächsischen Wegen, die bereits seit mehreren Jahrzehnten längst klavieristisch und personenzentriert angelegt sind.

Ferner hat der australische und zuletzt in den Vereinigten Staaten praktizierende Psychologe Dr. John Diamond die Wirkung der Musik auf den Menschen mit den Methoden der Behavioralen Kinesiologie untersucht und empirisch ausgewertet.
Seine Ergebnisse habe ich einer eingehenden, vergleichenden Parameter-Betrachtung unterzogen, die in der methodischen und didaktischen Auswahl der musikalischen Unterrichtsgegenstände in meinem Klavierunterricht wie in meiner Autorentätigkeit ihren umfassenden, konsequenten Widerhall findet.

Mein Unterrichtsangebot:
- Individueller, personenzentrierter Klavierunterricht
  auf Wunsch ergänzbar um die Bereiche
  - Musiktheorie/Musiklehre
  - Liedbegleitung
  - Klavier-Improvisation


Ein Tipp an Organistinnen und Organisten: Wer individuell nur einzelne, interessante Orgelstücke sucht, dem sei das neue Internetportal

www.Plein-Jeu.MusicaNeo.com

von Paul Weckhoven empfohlen. Dieses Angebot wird meines Wissens laufend erweitert. 

Und wer leichte bis schwere Ragtime-Fassungen für Klavier als Einzelausgaben sucht,
der findet sie im Internetportal www.Edition-Emma.MusicaNeo.com von Johannes Apfelroth - leider ohne Fingersätze.


Telefon 035201 99054
Handy 01522 3022 617

.E-Mail: GKaluza [at] Piano77.de


Mitglied im Berufsverband DTKV (Deutscher Tonkünstlerverband),
Landesverband Berlin

Mitglied der GEMA,
Mitglied der VG Musikedition

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